Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS)


Das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine Form der Dysautonomie. Bei EDS-Patienten gibt es verschiedene neurologische Probleme und Störungen im autonomen Nervensystem die auftreten können, jedoch scheint POTS am Häufigsten zu sein.

Eine POTS-Diagnose wird meist mit Hilfe eines Kipptisch-Tests in der Kardiologie oder der Neurologie (neurovegetative Diagnostik) gestellt. Hilfreiche Aussagen kann auch ein Schellong-etst bringen.

Bei dem POTS kommt es zu einem rapiden Herzfrequenzanstieg sobald der Betroffene in eine aufrechte Position gebracht wird. Als pathologisch wird ein Anstieg von über 30 bpm (beats per minute) von liegender zu stehender Position bewertet. Auch ein Anstieg über 120 bpm gilt als pathologisch. Beim Kipptischtest werden durchgehend Blutdruck und Herzfrequenz überwacht und der Patient wird von liegender in stehende Position gebracht. Außerdem werden zusätzliche Untersuchungen, wie das Valsalva-Maneuver, während des Kipptischtests empfohlen.

Deutliche Zeichen für das Vorliegen eines POTS: Pulsanstieg über 127 kurz nach dem Aufstehen.

Deutliche Zeichen für das Vorliegen eines POTS: Pulsanstieg über 127 kurz nach dem Aufstehen.

 

Siehe Quellen:

http://www.dysautonomiainternational.org/pdf/RoweOIsummary.pdf
http://www.dysautonomiainternational.org
http://www.dinet.org/index.php/information-resources/knowledge-base/24-pots
http://www.potsuk.org

POTS kann mit verschiedenen Krankheiten einhergehen oder auch alleine ohne weiter Erkrankungen vorkommen. Ein Zusammenhang zwischen POTS und Fibromyalgie, sowie zwischen POTS und Chiari-Malformationen wurde bereits festgestellt. Des Weiteren scheinen EDS-Patienten (vor allem hEDS) häufig ein POTS zu entwickeln. Auch virale oder bakterielle Infekte, wie Borreliose, wurden als Auslöser beschrieben. Ebenfalls wurden Mastzellerkrankungen als ursächlich für POTS gesehen. Hier bedarf es noch sehr viel mehr Forschung. Bei Patienten, die mit POTS diagnostiziert wurden, sollte immer auch daran gedacht werden, dass eine andere Erkrankung ursächlich sein könnte.

Bei Betroffenen eines POTS scheint sich in aufrechter Position mehr Blut in den Gefäßen der Beine und des Abdomens zu sammeln, was dazu führt, dass Epinephrin oder Norepinephrin ausgeschüttet wird. Dies wiederum führt zu einem Anstieg der Herzfrequenz.

Der Mechanismus des POTS bei Patienten mit EDS wurde in einigen Publikationen von De Wandele et al. (siehe Publikationen) beschrieben. Hier vermutet man das Dysautonomie bei EDS aus verschiedenen Faktoren, wie kardiovaskulären Störungen, Sudomotor-Dysfunktion, Neuropathie, Bindegeweslaxizität und/oder dem Einfluss verschiedener Medikamente, besteht.

Häufige Symptome sind:
Schneller Herzschlag
Schwindel
Benommenheit
Unscharfes Sehen
Konzentrationsprobleme
Müdigkeit
Schwitzen
Reizdarm
Kopfschmerzen
Kurzatmigkeit

Blasenbeschwerden

uvm.

Akute POTS-Symptome können ausgelöst werden durch:

Dehydration
Körperliche Anstrengung
Infekte
Alkohol und teilweise Koffein
Emotionalen Stress
Langes Stehen
Warme Umgebung (wie eine heiße Dusche, oder sommerliche Temperaturen)
Essen, weil durch die Verdauung vermehrt Blut im Darm gepoolt wird

Lieber kein Alkohol bei Dysautonomie

Lieber kein Alkohol bei Dysautonomie

 

Um das POTS zu behandeln wird eine Stufentherapie eingesetzt. Angefangen mit konservativen Maßnahmen, wie der Vermeidung der auslösenden Faktoren, Kompressionsstrümpfe und Kompressionsstrumpfhose. Wenn langes Stehen manchmal nicht vermeidbar ist, können Maneuver wie von den Ballen auf die Zehenspitzen und zurück zu rollen helfen die Muskeln zu kontrahieren und somit das Blut in Richtung Herz zu pumpen. Des Weiteren wird empfohlen mehr Salz und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Im weiteren Verlauf sollte versucht werden vorsichtig wieder mit körperlichen Aktivitäten zu beginnen (leichte Aerobic, Fahrrad fahren usw.). Helfen alle diese konservativen Therapien nicht bei der Symptombewältigung kommen Medikamente zum Einsatz, die das Blutvolumen erhöhen, die sich in die Freisetzung von Epinephrin oder Norepinephrin einmischen, oder Medikamente, die bei der Vasokonstriktion helfen.

 

Ursachen und Symptome von Dysautonomie in Folge des EDS.

Ursachen und Symptome von Dysautonomie in Folge des EDS.

Notfallinformationen und Operationen bei Patienten mit Dysautonomie:

In Notfallsituationen sollte daran gedacht werden, dass einige Medikamente bei Dysautonomie nicht gut vertragen werden.

Darunter sind folgende: Vasodilatatoren; Narkotika wie Codein, Morphin oder Oxycodon; Phenothiazine; Antiemetika wie Phenergan oder Compazin; Niacin; Nortriptylin; Amitriptylin oder trizyklische Antidepressiva; Epinephrin.

Es sollte immer darauf geachtet werden ausreichend viel zu trinken; und elektroylthaltige Getränke können nach akuter Bewusstlosigkeit helfen.

Im Falle einer Operation sollten diese Dinge mit einbezogen werden:

Aufgrund der Störung im autonomen Nervensystem kann bei Dysautonomie-Patienten die Körpertemperatur nicht gut reguliert werden, weshalb es schnell zu Hypo- und auch Hyperthermie kommen kann. Es sollte eine konstante Temperaturkontrolle stattfinden.

Puls und RR sollten regelmäßig und häufiger als bei Gesunden kontrolliert werden, vor allem bei Lageänderung.

Epinephrin sollte gemieden werden, weil es dadurch zu gesteigerter Tachykardie kommen kann (evtl. aber nötig bei gleichzeitigem MCAS).

Es sollte extra Flüssigkeit und Vasopressoren bereit gehalten werden.

Es kann zu verlängerten Zeiten von Hypotonie kommen, während der Operation.

Thiopental und Ketamin sollten vermieden werden; Propofol ist evtl. besser verträglich, aber Vorsicht wegen der Gefahr der Hypotonie.

Quellen:

 

Mustafa HI, Fessel JP, Barwise J, Shannon JR, Raj SR, Diedrich A, Biaggioni I, Robertson D. DysautonomiaPerioperative Implications. The Journal of the American Society of Anesthesiologists. 2012 Jan 1;116(1):205-15.

Corbett WL, Reiter CM, Schultz JR, Kanter RJ, Habib AS. Anaesthetic management of a parturient with the postural orthostatic tachycardia syndrome: a case report. British journal of anaesthesia. 2006 Aug 1;97(2):196-9.

Rabbitts JA, Groenewald CB, Jacob AK, Low PA, Curry TB. Postural orthostatic tachycardia syndrome and general anesthesia: a series of 13 cases. Journal of clinical anesthesia. 2011 Aug 31;23(5):384-92.

 

Deutscher POTS-Blog:

https://potsplatzblog.wordpress.com

Meine Geschichte in einem deutschen POTS-Blog:

https://potsplatzblog.wordpress.com/karina/

 

Andere hilfreiche Informationen (Englisch):

http://ehlers-danlos.com/2015-annual-conference-files/Grubb_0.pdf

http://ehlers-danlos.com/2015-annual-conference-files/Pocinki_0.pdf