Mein Beitrag zur „Invisible illness awareness week 2015“


Es ist „Invisible illness awareness week“ von 28. September bis 4. Oktober 2015 und auch ich möchte die Gelegenheit nutzen um über unsichtbare Probleme zu sprechen.

Es gibt viele Kleinigkeiten die es für die meisten Menschen gar nicht wert sind darüber nachzudenken, die aber für Menschen mit „unsichtbaren Erkrankungen“ eine große Hürde darstellen. Vielen Menschen sieht man deren Krankheit nicht an.

Die Person die man unabsichtlich im Supermarkt anrempelt weil sie zu langsam die Einkäufe einräumt hat möglicherweise große Schmerzen und kann sich nur mit viel Mühe auf den Beinen halten. Vielleicht leidet sie an einer Halswirbelsäuleninstabilität und kann ihre Hände kaum bewegen, sieht alles nur verschwommen und schafft es nur mit Mühe ihre wöchentlichen Einkäufe zu erledigen. Der kleine Stoß von hinten könnte bei dieser Person für Wochen zu einer Verschlechterung führen.

Die junge Frau die in der U Bahn nicht für die alte gebrechliche Dame aufsteht leidet vielleicht unter einer Form von Dysautonomie und würde ohnmächtig werden wenn sie länger stehen müsste. Sie kann sich nicht konzentrieren, ihr Herz rast, ihr ist übel und sie fühlt sich benebelt. Müsste sie aufstehen würde ihr innerhalb kürzester Zeit schwindlig und schwarz vor Augen. Vielleicht schafft sie selbst die kurze Bahnfahrt nur schwer ohne zu kollabieren. Böse Zungen werden sie für faul oder einfach ignorant halten und dabei tief verletzen.

Der junge Mensch der auf einem Behindertenparkplatz parkt und sein Auto gehend verlässt leidet vielleicht an einem Ehlers-Danlos Syndrom und hat starke Schmerzen. Seine Gelenke renken bei jedem Schritt fast aus und er fühlt sich als würde er auseinanderbrechen. Bandagen die die Knochen an Ort und Stelle halten sollen sind gut unter der Kleidung versteckt und der Einkaufswagen dient lediglich dazu die Last von den Beinen zu nehmen.

Die junge Frau die im Rollstuhl durch den Flughafen gefahren wird und dann aufsteht um ihr Taxi zu bekommen ist möglicherweise so schwach dass es ihre letzte Energie kostet um den Weg zum Taxi zurückzulegen. Vielleicht leidet sie an einem chronischen Erschöpfungszustand und hat den Flug nur mit viel Mühe überstanden.

Die Person die im Coffee Shop vor uns steht und sich über alle möglichen Inhaltsstoffe der Snacks dort erkundigt während wir mit den Augen rollen leidet vielleicht an einer Mastzellerkrankung und kann kaum außer Haus essen. Diese Person würde durch ein bisschen Histamin im Essen schwere Krämpfe, Schweissausbrüche und eine Übelkeit über Tage erleiden. Womöglich wäre sie für viele Tage an ihr Bett gebunden und zu schwach um aufzustehen.

Der Mensch mit dem ihr heute ein nettes Gespräch im Park führt, mit dem ihr lacht und Spaß habt könnte am nächsten Tag schwer krank und ohne jegliche Energie im Bett liegen nur um einen normalen Tag verbringen zu können.

Was ich damit sagen will ist, warum verwenden wir die Zeit die wir sonst nutzen um über andere Menschen zu urteilen nicht dafür diese Menschen einfach zu fragen welches Schicksal sie zu tragen haben. Die meisten Menschen sind gerne bereit über ihre Erkrankungen zu sprechen und euch dabei zu helfen zu verstehen weshalb ein Rollstuhl, ein Behindertenparkplatz oder ein Sitzplatz dringend notwendig sind.

Bitte bedenkt auch dass manche Menschen sehr stolz sind und niemandem ihre Schwäche zeigen. Wir überlasten uns häufig um nicht um Hilfe beten zu müssen, wir lächeln obwohl uns nicht zum lachen ist und wir versuchen völlig normal auszusehen obwohl wir uns fühlen als würde unser Körper gleich zerfallen.

Lasst uns versuchen niemanden zu verurteilen nur weil er auf den ersten Blick nicht krank aussieht. Lasst uns dafür sorgen dass es mehr Toleranz gegenüber Krankheiten gibt die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Öffnet euer Herz und schaut genauer hin.

 

Invisible Illnesses awareness week 2015